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Vom Leben
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Kinder- und Jugendbücher zu Burgen, Rittern und Mittelalter Die
Kinder- und Jugendbücher zum Thema Burg, Ritter und Mittelalter nehmen
zumeist unreflektiert diese verklärte Mittelalterrezeption auf. Sie
entführen uns in die Welt der Fürsten- und Königshöfe, in die Spitze
der mittelalterlichen Luxuspyramide, auf die ganz großen Burgen mit
aufwendigen Haushalten. Sie zeigen uns einen Ausschnitt des
Burgenlebens,
der zwar real, keineswegs aber realistisch bzw. charakteristisch ist.
Wir müssen hierbei berücksichtigen, dass der Großteil dieser
Literatur aus England und Frankreich kommt, lediglich ins Deutsche übertragen
wird. Dort hat sich noch mehr als bei uns das verklärte Bild eines
prunkvollen Mittelalters aufgebaut. Folglich stoßen wir immer wieder
auf die grandiosen Königsburgen in Wales wie Harlech oder Conway oder
auf die spektakuläre höfische Kultur des reichen französischen
Hochadels, auf die außergewöhnlichen Kreuzritterburgen wie
Krak-des-Chevaliers, werden konfrontiert mit unglaublichen
Massenverzerrungen,
mit unreflektierten und undifferenzierten Rekonstruktionszeichnungen
des Burgenlebens (insbesondere das Beispiel: Biesty; weitere
Beispiele: Steele; Gravett; Ross). Zwei
deutschsprachige Bücher heben sich wohltuend aus der Masse ab, beide
verfasst von kompetenten Schweizer Fachleuten. Heinrich Boxler,
Präsident des Schweizer Burgenvereins, und der bekannte Künstler Jörg
Müller haben miteinander ein vorzüglich getextetes und
illustriertes Burgenbuch mit dem Titel “Burgenland Schweiz: Bau
und Alltag „ geschaffen, das gut lesbar nicht nur
jugendlichen,
sondern auch erwachsenen Lesern einen bemerkenswert runden und
wirklichkeitsnahen Einstieg in die Burgenwelt ermöglicht. Insbesonders
die vorzüglichen Zeichnungen Müllers machen dies Buch zu einem
echten Seh- und Leseerlebnis. Jörg
Müller
hat weiterhin mit Anita Siegfried und Jürg Schneider ein
graphisch und textlich ausgezeichnetes Werk über das Leben in einer
Stadt des Spätmittelalters herausgebracht, das unseren Blick
sachkundig über die Burg und das Hohe Mittelalter hinaus lenkt. Diese
Lektüre, der vier herrliche Poster beiliegen, ist für Kinder ab zehn
Jahren, vor allem aber für Jugendliche geeignet. Ein gutes Kinderbuch für
Jüngere fehlt aber nach wie vor. Als
Fazit lässt sich aussagen, dass für Deutschland weder ein gutes
Kinder- noch Jugendbuch insbesondere zum Thema Burg, aber auch zum
Rittertum und Mittelalter im allgemeinen vorliegt (Tarnowskis Buch
weitgehend ausgenommen) — was im übrigen auch für die Lehrerbücher gilt. Dies beruht darauf, dass die Textverfasser nicht aus dem Fach kommen und veraltete oder schlechte Burgenliteratur — von der es ja leider mehr als genug gibt — wissensfremd und unkritisch übernehmen. |
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